Faden - Strich + SPANNUNG
Fäden auch mal nicht vernähen, einfach hängen lassen. Und nicht nur von Stoff herab, sondern auch von Holz oder von Teebeuteln oder von Safety-Cards einer Airline. Die Oberflächen, die Claudia Kallscheuer bestickt, sind außergewöhnlich. Noch außergewöhnlicher aber, dass es ihr weniger um die Ober- als um die Unterseite des bestickten Materials geht.
Claudia Kallscheuer kehrt unteres zu oberst. Sie spielt mit innen und außen, verkehrt linke und rechte Seite, schafft Unordnung in der Ordnung. Fehler werden eingebaut, Fadenspannungen variiert, Überlagerungen und Verwicklungen im Nähprozess geduldet. Es wird geknotet, wo kein Knoten passt.
Mit ihrer eigenständigen und eindrücklichen Bildsprache lädt Claudia Kallscheuer ein, Betrachtungsweisen zu überdenken: ist die Papiertüte nicht ebenso wichtig wie das Gemüse, für dessen Verpackung sie herhalten muss? Oder: Warum missachten wir mit steter Regelmäßigkeit die Safety-Cards und – Instruktionen vor dem Abheben des Flugzeugs – wo doch im Ernstfall unser Leben davon abhängt?
Das scheinbar Nebensächliche wird in Claudia Kallscheuers Werk gehalten, in Spannung gebracht, festgezurrt. Das scheinbar Triviale erscheint durch die Umzeichnung mit Nähseide in ungewohnter, verfremdeter Form, in neuem Gewand. Wir Betrachter erkennen die populären Bildmotive der aktuellen Ausstellung – und doch sehen wir sie wie zum ersten Mal.
Andreas Herrmann
Berlin im Juni 2010
Claudia Kallscheuer kehrt unteres zu oberst. Sie spielt mit innen und außen, verkehrt linke und rechte Seite, schafft Unordnung in der Ordnung. Fehler werden eingebaut, Fadenspannungen variiert, Überlagerungen und Verwicklungen im Nähprozess geduldet. Es wird geknotet, wo kein Knoten passt.
Mit ihrer eigenständigen und eindrücklichen Bildsprache lädt Claudia Kallscheuer ein, Betrachtungsweisen zu überdenken: ist die Papiertüte nicht ebenso wichtig wie das Gemüse, für dessen Verpackung sie herhalten muss? Oder: Warum missachten wir mit steter Regelmäßigkeit die Safety-Cards und – Instruktionen vor dem Abheben des Flugzeugs – wo doch im Ernstfall unser Leben davon abhängt?
Das scheinbar Nebensächliche wird in Claudia Kallscheuers Werk gehalten, in Spannung gebracht, festgezurrt. Das scheinbar Triviale erscheint durch die Umzeichnung mit Nähseide in ungewohnter, verfremdeter Form, in neuem Gewand. Wir Betrachter erkennen die populären Bildmotive der aktuellen Ausstellung – und doch sehen wir sie wie zum ersten Mal.
Andreas Herrmann
Berlin im Juni 2010